Valerie
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Hardfacts
Since: -Releases: 1
Label: Sony Music
Softfacts
Fans: 0Profile visits: 1043
Plays: 119
Valerie (No Album)
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Und wieder ein Pressetext. Einer von vielen. Ein neuer Stern strahlt hell am Firmament aktuellen Musikschaffens. Die beste Musik, tolle Künstlerin und überhaupt. Kennen wir ja alle. Stopp. Wir versuchen es mal anders. Es gibt viel zu erzählen. Über einen Menschen, der viel zu erzählen hat. Und der seinen Weg geht, unbeirrbar und jenseits aller Strömungen, Hypes und konstruierter Aufgeregtheiten. Der seit mehr als 15 Jahren Musik veröffentlicht und nicht damit aufhören will. Sehen wir uns das Ganze etwas genauer an.
ÖSTERREICH
Schlager und Volksmusik. Mozartkugeln, Walzerklang, Fiaker, Pistenfun. Juchhe und tätarää. Halt’s Maul, Klischee!
Valerie ist Österreicherin. Spricht Dialekt nur in Ausnahmefällen und verbringt mehr Zeit in ihrer Wahlheimat Südfrankreich oder bei Freunden in Berlin als beim Heurigen im 19. Wiener Gemeindebezirk. Singt seit – ja, seit wann eigentlich? Seit immer ist wohl die Antwort. Valerie singt seit immer. Und bringt mit 14 ihre erste Single auf den Markt. “Baby in my bed” lautete der Titel und war, äh, nicht sehr erfolgreich. Man muss stolz sein auf seine Jugendsünden.
GIRLGROUP
Ach, die Neunziger. Die Musikindustrie fett und wichtig, keine Ahnung von zukünftigenVerwerfungen, the future so bright I gotta wear shades… und mit dem Schwenk zu Anglizismen sind wir schon dort, bei c-bra, Österreichs einziger ernstzunehmender Girlgroup: englischsprachiger Pop, wie er sein soll, und nicht einmal peinlich. 4 Singles, ein Album, durchwachsener Erfolg. Valerie hat viel gelernt in diesen intensiven Jahren und die enge künstlerische Zusammenarbeit mit Produzent David Bronner nahm damals ihren Anfang. c-bra hatte wirklich Klasse. War aber zu spät. Oder zu früh.
SAINT PRIVAT
Valerie lebt das halbe Jahr in Saint Privat, einem malerischen Flecken in Südfrankreich. Gibt wohl nicht mehr so viele Franzosen dort, dafür umso mehr Künstler. Aber Valerie spricht Französisch besser als mancher Einheimische und erklärt Touristen öfter mal den Weg. Der Ortsname wurde die Überschrift des nächsten musikalischen Projekts – das Duo Saint Privat zusammen mit Produzent und DJ Klaus Waldeck arbeitete auf charmante Weise französischen sound der Sechziger ab. Stilvoller Retroschick und angesagte Elektronik führten zu Medienaufmerksamkeit und Szeneerfolg in halb Europa, man war “hip”. Nach zwei Alben ist Schluss. Warum nur, warum? Du musst die Kuh melken, solange sie Milch gibt. Valerie nicht. Sie will weiter, es war sehr schön, es hat sie sehr gefreut.
PICKNICK
Frau spricht Französisch. Englisch. Und siehe da – auch etwas Russisch. Ein Erbe aus Valeries Kindheitsjahren in Moskau. Die Eltern hatten dort beruflich zu tun. Aber man träumt Deutsch. Das muss jetzt sein. Das erste deutschsprachige Album erscheint 2007. Titel “Picknick”. Es sind auch drei Songs in französischer Sprache dabei. Ambivalenz, you know. Die erste Single “Mädchen” gerät zum Miniskandal, Sexismus und Frauenfeindlichkeit lauten die Vorwürfe. Das Radio zieht zurück, wir haben etwas gelernt. Feminismus funktioniert nur in eine Richtung. Deshalb geht Valerie exakt in die andere. Die Ballade “Regen” versöhnt alle mit allen und wird ein Hit. Fanreaktionen aus Deutschland und der Schweiz trudeln ein. Und “Mädchen” erhält den Amadeus Austrian Music Award als “Single des Jahres national”. Na dann.
ICH BIN
Alles super. Die Karriere läuft. Tolle sängerin. Bildhübsch. Erotisch. Intelligent. Charmant. Was wollen wir mehr. Nicht so ganz. Das Jahr 2009 wird schwierig. Es wird getextet. Gesungen. Produziert. Es ist nicht, wie es sein soll. Es gefällt nicht. Die Künstlerin spürt sich nicht mehr. Druck. Von allen Seiten. Das berüchtigte zweite Album. Krise, Frustration, Scheitern? Es folgt klare Konsequenz – die Künstlerin verwirft zusammen mit Produzent David Bronner jede Menge Material. Jeder Text, jedes Wort wird immer wieder gedreht, gesiebt, neu gedacht. Der Sound entrümpelt, runtergebogen, reduziert bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus.
DU BIST
Der Kern. Darauf läuft es hinaus. Die Künstlerin sucht den Kern ihres eigenen Schaffens und verliert sich fast in sich selbst. Doch es gibt auch andere. Um Valerie herum kristallisiert sich ein kreatives Team und gemeinsam werden die Zähne zusammengebissen und es wird weitergemacht. Wer sagt, es sei einfach, in einem Land, das dich entweder tot sehen möchte oder bei Andy Borg? Und so ist schon die Entstehungsgeschichte dieses Albums beispielhaft für den Titel. Es beginnt alles bei einem selbst und es endet auch dort. Doch ohne die Reflexion, ohne die Spiegelung, ohne die Reibung durch den anderen bleiben wir doch hohl und leer in unserem Sein.
ICH BIN. DU BIST.
14 Songs, die die Welt nicht verändern werden. Aber Mut machen, zum Nachdenken bringen, Aufmerksamkeit fordern. Ach nein. Aufmerksamkeit. Das ist aber viel verlangt. Wer hat die Zeit, Musik muss funktionieren, ist ein Produkt, wird designt von Marketingstrategen und berechnet von Wall Street Analytikern. Wie viele Hits haben wir, funktioniert der Song im Formatradio, ist der Text zu abgehoben? Ist das noch Pop oder schon Schlager, Chanson oder Kleinkunst, in welche Schublade passt das alles, verdammt nochmal. Keine Ahnung. Es ist einfach gute Musik und unverfälschte Emotion. Was ja eigentlich dasselbe sein sollte. Den Rest überlassen wir denen, um die es eigentlich geht. Nicht die Künstlerin und nicht die Medien, nicht das Label und nicht das Marketing entscheiden. Sondern alle da draußen. Es ist ein anachronistischer Weg. Es gibt kein knackiges Konzept, keine klare Überschrift, keinen USP. Es gibt 14 Songs, aus dem Herzen der Künstlerin geschnitzt. Sie hat alles gegeben und lädt nun ein – Willkommen in Valeries Welt!
Text: Horst Unterholzner
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